Am Donnerstag treffen wir uns bei bestem Bergwetter zu elft gegen Mittag in Lech. Zum Glück ist die Kaltfront am Abend zuvor durchgezogen. Einige haben bereits eine beachtliche Anreise hinter sich – bis aus Berlin und Leipzig sind TeilnehmerInnen angereist. Bevor es richtig losgeht, bleibt uns noch eine gute halbe Stunde bis zur Abfahrt des Busses. Genug Zeit also für einen gemeinsamen Cappuccino im Hotel Post.
Wir bitten einen jungen, gutaussehenden Ober, der uns bedient, ein Gruppenfoto von uns zu machen. Dem kommt er gerne nach und fragt, ob das Bild so passt. Dabei entdecken wir, dass er auch ein Selfie von sich selbst gemacht hat. Die Begegnung bleibt für den Rest der Tour Gesprächs- und Bildstoff.
Mit dem Lecher Bus fahren wir anschließend bis zum Beginn der Mautstrasse in Zug. Jetzt beginnt die Tour auch wirklich: Die Rucksäcke kommen auf die Schultern und wir steigen hinauf zur Göppinger Hütte.
Dort angekommen, ist der Bergtag für einige noch nicht zu Ende. Ein Teil der Gruppe macht sich noch auf den Weg zur Hochlichtspitze und wird mit einem grandiosen Ausblick in der belohnt, während der Rest bei einem kalten Getränk die Sonne auf der Terrasse genießt und die Beine hochlegt.
Nach dem Abendessen teilt sich die Gruppe erneut: Die einen finden sich zum Kartenspiel zusammen, während die anderen offenbar eine mindestens ebenso interessante Abendbeschäftigung gefunden haben – die Jungs am Nachbartisch zu beobachten.
Am nächsten Morgen brechen wir in Richtung Freiburger Hütte auf. Über Nacht hat sich der Himmel zugezogen, die umliegenden Gipfel sind in Wolken verschwunden. Immerhin: Der angekündigte Regen bleibt vollständig aus.
Unser Weg führt uns über einen abwechslungsreichen, zu Weilen ausgesetzten Höhenweg durch die Wolken. Einige seilversicherte Passagen und ein wenig Kletterei sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Im Laufe des Nachmittags lockert die Wolkendecke schließlich etwas auf und gibt erste Blicke auf das obere Lechtal frei.
An der Formarinalpe bestaunen wir die Lechquelle und das dortige Steinbockdenkmal. Hier verabschiedet sich planmäßig ein Mitglied unserer Gruppe, das wegen eines kurzfristig entstandenen Terminkonflikts am Wochenende früher zurückkehren muss.
Für den Rest geht es weiter entlang des Felsensteigs und über die letzten Höhenmeter hinauf zur Freiburger Hütte. Leider leuchtet der Forminsee nicht wie versprochen smaragdgrün unter uns, sondern eher halbgefüllt und grau. Eigentlich steht für den Nachmittag noch die Saladinaspitze auf dem Programm. Doch der Gipfel versteckt sich hartnäckig in den Wolken, und inzwischen ist es auch schon recht spät geworden. So findet sich nur einer von uns, der noch genügend Energie und Motivation aufbringt, den Gipfel in Angriff zu nehmen. Der Rest entdeckt stattdessen die Vorzüge einer warmen Dusche.
Vor dem Abendessen herrscht in der Küche ordentlich Halli Galli. Die Küchencrew feiert ihren vorletzten Abend der Saison, denn am Sonntag schließt die Hütte. Auch bei uns klingt der Abend gesellig aus – ein gemeinsames Spiel rundet den zweiten Tourentag ab.
Königsetappe über das Steinerne Meer
Der Samstag wird zum Höhepunkt unserer Tour. Schon beim Frühstück begrüßt uns die Sonne, und die Rote Wand auf der anderen Seite des Formarinsees macht ihrem Namen im Morgenlicht alle Ehre.
Zunächst führt unser Weg durch das bizarre Steinerne Meer, bevor es steil hinauf zum Gehrengrat geht. Oben angekommen pausieren wir und genießen die erstaunlich klare Fernsicht, bevor es in den nicht minder steilen und ausgesetzten Abstieg Richtung Spullersee geht. Nach einem Gegenanstieg erwartet uns mit der Ravensburger Hütte unser nächstes Quartier.
Doch auch hier ist noch lange nicht Schluss. Wir lassen die schweren Rucksäcke bzw. das Schwere in den Rucksäcken auf der Hütte zurück und machen uns nach einer kurzen Rast auf zum Spullerschafberg. Der Steig zieht zunächst steil durch Wiesen nach oben, wird dann zum aussichtsreichen Gratweg und verlangt uns schließlich unterhalb des Gipfels beim Queren von Felsplatten und Blockgelände noch einmal volle Konzentration ab.
Die Mühe lohnt sich. Vom Gipfel eröffnet sich uns ein beeindruckendes Panorama: Der Blick reicht bis zur Bernina, zum Säntis, zur Zugspitze und zur Wildspitze. Ein würdiger Höhepunkt dieser Tour.
Erst kurz vor dem Abendessen sind wir wieder zurück an der Ravensburger Hütte. Für manche reicht die Zeit gerade noch für eine schnelle Dusche, dann sitzen wir hungrig am Tisch. Obwohl die Portionen durchaus ordentlich ausfallen, wird von einigen noch nach einem Nachschlag gefragt. Die zurückgelegten Höhenmeter und Kilometer machen sich inzwischen bemerkbar. Viel Überzeugungsarbeit für eine frühe Nachtruhe ist nicht nötig – die meisten liegen noch vor zehn Uhr im Bett.
Am Sonntag bricht bereits der letzte Tag unserer Tour an. Über das Madlochjoch soll es zurück nach Lech gehen – und das Wetter zeigt sich noch einmal von seiner besten Seite.
Zunächst steigen wir zur Kleinen Wildgrubenspitze auf. Kurz unterhalb des Gipfels wartet noch eine kleine seilversicherte Kletterpassage auf uns, bevor wir oben ein letztes Mal ausgiebig das Bergpanorama genießen können.
Vom Madlochjoch führt unser Weg anschließend über die Skipiste hinunter zum „Weißen Ring“. Natürlich darf hier ein standesgemäßes Gruppenfoto nicht fehlen. Die GOC-Fahne wird ausgepackt und für die gemeinsame Aufnahme in Szene gesetzt.
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