Neun Tage lang ging es mit dem GOC über 8.000 Höhenmeter von Sterzing über den Pfunderer Höhenweg, den Stabeler Höhenweg, durch das Ahrntal und über das Keilbachjoch ins Zillertal. Zum Abschluss wartete der Aschaffenburger Höhenweg mit seinen sieben Schneiden. Dazwischen: zwei Dreitausender, zahlreiche Scharten, Kraxelstellen, Gletscherblicke, Badeseen, Hütten – und erstaunlich viel Kaiserschmarrn.
Oder, in Lauras Worten: „1 Gruppe, 2 Badeseen, 30. Geburtstag, 4:45 Uhr frühester Wecker, 5 Jahrzehnte vereint, mindestens 6 Kaiserschmarrn, 7 Hütten + 1 Almwirtschaft, 8 tausend Höhenmeter, 9 Tage – 10/10 würden die Reise empfehlen.“
Wandern für Fortgeschrittene
Los ging es in Sterzing. Nach den ersten Höhenmetern über Almwiesen zur Simile-Mahd-Alm kam am zweiten Tag die Wilde Kreuzspitze: 3.125 Meter und ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Über Höhenrücken und Blockgelände ging es weiter Richtung Edelrauthütte. Neun Stunden Gehzeit waren angesagt – und wurden es auch. Die Frage lautete bald nicht mehr, ob die nächste Scharte kommt, sondern nur noch: Welche?
Törla Zwilcher. Marbelfleckscharte. Gaisscharte. Keilbachjoch.
Irgendwann war klar: Die Scharte ist nicht das Problem. Die Scharte ist das Programm.
Mit jeder Scharte sicherer
Ausgesetzte Querungen, steile Grashänge, seilversicherte Passagen und viel Blockwerk verlangten Trittsicherheit und Konzentration. Die Ausschreibung hatte nicht übertrieben.
Matti führte aufmerksam, erklärte schwierige Stellen und hatte die Gruppe auch in den anspruchsvollen Passagen immer im Blick. So wurde aus vorsichtigem Herantasten zunehmend selbstverständliches Kraxeln. „Mit jeder Scharte wurde die Gruppe souveräner.“ Matti beschreibt es als besonders schön, zu sehen, wie alle sicherer und entspannter wurden und auf eigene Weise über sich hinauswuchsen.
Anne fand dafür den passenden Namen: „Meine lieben mitwandernden Schartenprofis.“
Wetterkapriolen mit Badeeinlage
Am Neveser Höhenweg sorgten Schauer und tiefe Wolken für weniger Fernsicht. Die Gruppe reagierte pragmatisch – und entdeckte einen Gletschersee. Mittagsjause. Baden. Im Bergsee. Bei Schauerwetter. Man muss Prioritäten setzen.
Sonnenaufgang zum Geburtstag
Der frühe Höhepunkt begann um 4:45 Uhr. Ziel war das Felsköpfl auf 3.235 Metern. Gegenüber erhoben sich Schwarzenstein und Floitenkees, während die Berge langsam ins Morgenlicht tauchten. Und weil außergewöhnliche Dinge offenbar gern gebündelt werden, wurde an diesem Tag auch Lauras 30. Geburtstag gefeiert. Geburtstag auf über 3.000 Metern – schwer zu toppen.
Nach langen Tagen mit vielen Höhenmetern war gutes Essen ein wichtiger Bestandteil der Tourenplanung. Bester Kaiserschmarrn: Kasseler Hütte. Dicht dahinter: die Chemnitzer Hütte, die zusätzlich mit einer hervorragenden Lasagne punktete.
Etwas schwieriger fällt das Urteil über die Übernachtung in den Holzerböden aus. Nach einer Nacht im Heu roch zumindest Mattis T-Shirt entsprechend. Dafür sorgte Hüttenwirt Hermann mit Musik und Teufelsgeige für Unterhaltung.
Über den Alpenhauptkamm zum Finale
Über das Keilbachjoch ging es vom Ahrntal ins Stilluptal. Einmal über den Alpenhauptkamm – und die Bergwelt sah wieder anders aus: Blockwerk und Scharten – diesmal nordseitig.
Zum Abschluss wartete der Aschaffenburger Höhenweg mit seinen sieben Schneiden. Felsige Steige, ausgesetzte Passagen und kurze Drahtseilstellen verlangten auch am achten Tag noch einmal Konzentration. Ein würdiger Abschluss.
Der eigentliche Gipfel: gemeinsam unterwegs sein
Eine solche Tour funktioniert nicht einfach deshalb, weil jemand eine schöne Route auf der Karte gefunden hat. Sie funktioniert, wenn Vorbereitung, Erfahrung, umsichtiges Führen und eine gute Gruppe zusammenkommen.
Menschen verschiedensten Alters und mit unterschiedlichen Lebensgeschichten waren neun Tage gemeinsam unterwegs. Es wurde geredet, gelacht, gekraxelt, geschwitzt, gegessen und wahrscheinlich gelegentlich auch darüber diskutiert, wie weit es denn „noch“ sei.
John brachte es nach der Tour auf den Punkt: Für ihn war es etwas ganz Besonderes, „in einer wirklich queeren Wandergruppe mit Teilnehmenden verschiedensten Alters und Lebenshintergründen“ eine so herausfordernde Tour gemeinsam zu erleben. Besonders in Erinnerung blieben ihm die vielen guten Gespräche und die gemeinsame Zeit.
Gerade auf den technisch schwierigen Passagen war Mattis ruhige und aufmerksame Führung entscheidend. Durch seine Hilfestellungen konnte die Gruppe auch anspruchsvolle Stellen gemeinsam bewältigen – und gewann dabei von Scharte zu Scharte mehr Sicherheit.
So wurde aus acht langen Wandertagen nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern ein echtes Gemeinschaftserlebnis im GOC. Oder, wie John es formulierte: Alleine hätte er diese Tour niemals so durchführen können.
Genau dafür gibt es den GOC.
Und jetzt?
Nach neun Tagen war Schluss – zumindest für diese Tour.
Auch im nächsten Jahr wird es wieder wunderbare GOC-Touren mit Matti geben, unter anderem im Sellrain, im Stubai und in den Hohen Tauern. Vielleicht gehört dann auch ihr zum Kreis der Schartenprofis. Aber Vorsicht: Der Titel ist nicht automatisch mit Kaiserschmarrn verbunden. Aber der kommt auf keinen Fall zu kurz!